Carina Konrad

"Gift für die Statistik"

Stellungnahme zum Meedia-Artikel vom 12.06.18
Carina Traktor 9131

Bezugnehmend auf den Meedia-Artikel „Gift für die Statistik“ vom 12.06.2018 erklärt die stellvertretende Vorsitzende des Agrarausschusses im Deutschen Bundestag, Carina Konrad (FDP):

Der aktuelle Artikel in  „Meedia“, „Gift für die Statistik“, deckt auf, dass das Umweltbundesamt (UBA), welche als zentrale Umweltbehörde dem Bundesumweltministerium unterstellt ist, in seiner neu erschienenen Broschüre „Umwelt und Landwirtschaft“ den Eindruck erweckt, dass der Pflanzenschutzmittelabsatz deutlich gestiegen sei. So sei laut UBA-Verlautbarung der Verkauf von Pestiziden in Deutschland zwischen 1994 und 2015 von knapp 30.000 auf mehr als 40.000 Tonnen  angewachsen. Der Vergleichszeitraum wurde allerdings bewusst so gewählt, dass mit 1994 ein Jahr am Anfang steht, in dem der Absatz von Pflanzenschutzmitteln besonders gering war. Und obwohl Zahlen für 2016 bereits vorlagen, endet der Vergleichszeitraum in der Broschüre mit 2015 – denn ein Jahr später war der Absatz schon wieder rückläufig. Des Weiteren wurden sogenannte inerte Gase – in der Hauptsache CO2 – mit eingerechnet, die aber gar nicht auf den Feldern zum Einsatz kommen, sondern vor allem bei der Vorratshaltung in den Silos. 

Hätte man den Vergleichszeitraum anders gewählt, hätte man auf Grundlage derselben Zahlen auch einen gegenläufigen Trend feststellen können. Doch wenn jeder sich Statistiken so zurechtbiegt, wie es ihm gerade in den Kram passt, mag das zwar für das eigene Ziel nützlich erscheinen, mit dem gesetzlichen Auftrag des UBAs hat das aber nichts zu tun. Wenn das UBA  Zahlen bewusst auf die günstigste Lesart interpretiert, um ideologische  Botschaften statt Fakten  zu transportieren, dann findet kein Wettbewerb um die besten Lösungen mehr statt. Stattdessen öffnet man durch eine deutsche Behörde dem Populismus Tür und Tor. Auch nach der Einsicht – das UBA hat sich auf Twitter entschuldigt – ist die Botschaft in der Welt.

Das Problem ist doch, dass bei den Menschen der Eindruck entsteht, dass Prozesse nicht transparent sind, sondern allein das Ziel verfolgen, die Menschen zu beeinflussen. Genau das ist aber Wasser auf die Mühlen des Populismus. Durch den – mal mehr, mal weniger subtil vorgebrachten – Vorwurf in Richtung der Landwirte, den Menschen durch Einsatz von Pestiziden zu schaden, werden neue  Ängste geschürt und alte am Leben gehalten. Eine ehrliche, faktenbasierte Diskussion darüber, wie und warum Landwirte Pflanzenschutzmittel einsetzen oder wie weitere Reduktionen möglich sind, ist kaum noch möglich, wenn selbst eine Behörde wie das UBA über Zahlen und Statistiken selektiv „informiert“. Die Folgen sind immens. Es wird  Misstrauen und Unverständnis sowohl beim Verbraucher als auch beim Erzeuger geschürt. Der ohnehin schon tiefe Graben zwischen den beiden Seiten, die eigentlich voneinander abhängig sind, wird immer größer. Dass ausgerechnet das Umweltbundesamt hier fleißig mitschaufelt, spricht nicht dafür, dass die Behörde wirklich das Ziel verfolgt, gute Lösungen für eine weitere Reduktion von Pflanzenschutzmitteln zu finden.

Bild: pd Fotografie

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