Carina Konrad

Offener Brief an den Rundfunkrat des SWR

zu "Rikki und die Kinderreporter"
Bild: pd Fotografie

Betrifft den Film "Rikki und die Kinderreporter in Rheinland-Pfalz"

 

Sehr geehrte Damen und Herren,

mein Name ist Carina Konrad, ich bin Agraringenieurin und Bundestagsabgeordnete. Seit Jahren beobachte ich in den Medien eine einseitig dominierte Berichterstattung und Darstellung der deutschen Landwirtschaft. Landwirte werden pauschal als Verursacher und Verantwortliche dargestellt, für den Klimawandel, für Nitrat im Grundwasser, für schlechte Tierhaltung, für Gewässerverunreinigung und für vieles mehr. Allzu oft ist diese einseitige Darstellung zu kurz gesprungen, denn Landwirte sind in erster Linie nicht nur Verursacher, sondern Betroffene und Leidtragende, denn ihre eigene Produktionsgrundlage und damit ihr wirtschaftliches Überleben hängt vom Zustand der Umwelt und dem Wohlbefinden ihrer Tiere ab.  Inzwischen sind zwischen Bauern und Verbrauchern tiefe Gräben entstanden und es ist viel Vertrauen zerstört worden. Die Politik reagiert auf den öffentlichen Druck, indem sie die Auflagen immer mehr erhöht und weitere Verbote ausspricht, was die Arbeit der Landwirte zusätzlich erschwert.

Als stellvertretende Vorsitzende des Agrarausschusses  liegt mir daran, diese Gräben zu überbrücken. Ich möchte Vertrauen wiederherstellen und dazu beitragen, dass Landwirte in Deutschland wieder mehr Wertschätzung erfahren. Gerade die Stadtbevölkerung hat sich vom bäuerlichen Landleben entfremdet und hat wenig Bezugspunkte zu unserer Lebensrealität.

Ein Beitrag wie Ihr Kinderfilm „Rikki und die Kinderreporter“ macht meiner Bemühungen innerhalb von 15 min zunichte. Er zeigt einen Ausnahmezustand (Bauer schlägt Tiere), ohne das Geschehen richtig einzuordnen (die meisten Bauern schlagen ihre Tiere nicht); außerdem vermittelt er Kindern den Eindruck, Selbstjustiz sei in Ordnung (sie betreten fremdes Eigentum, lassen die Tiere frei, machen heimlich Videoaufnahmen). Zudem suggeriert der Film, Kinder müssten das Fernsehen kontaktieren, wenn sie den Verdacht haben, dass eine Straftat begangen wurde – hier sind natürlich zunächst einmal die Polizei und die zuständigen Veterinärbehörden zuständig. Der unterschwellige Vorwurf an die unzureichende Beurteilung durch die Behörden im Film trägt übrigens ebenfalls nicht dazu bei, das Vertrauen in unsere öffentlichen Institutionen zu erhöhen. Stattdessen stellt der Film Tierschutzorganisationen in ihrer Befugnis gleich mit den Behörden. Das ist falsch, denn es wird ausgeblendet, dass auch Tierschutzorganisationen vordergründig weitere (Eigen-)Interessen verfolgen.

Was wäre, wenn sich der Verdacht der Kinder als falsch erwiesen hätte – wäre der Einbruch aus Ihrer Sicht dann dennoch legitim? Was wäre, wenn die Tiere auf die Straße gelaufen und einen Unfall verursacht hätten oder wenn die Tiere die Kinder überrannt hätten – würden Sie das als Kollateralschaden betrachten, den man für das höhere Ziel des Tierschutzes in Kauf nehmen muss?

Ich empfinde Ihren Film als unrealistisch und pädagogisch fragwürdig. Die Reaktionen auf meinen gestrigen Facebook-Beitrag zum Thema zeigen mir, dass ich damit keineswegs alleine bin.

Mein Wunsch wäre es, dass der Film aus dem Netz genommen wird und Sie künftig bei der Erstellung von Unterrichtsmaterial ein realistisches Bild der modernen Landwirtschaft vermitteln. Das wäre nur fair gegenüber der Branche, die immerhin unsere Mittel zum Leben erzeugt. Und Sie würden Ihrem Auftrag, als öffentlich-rechtlicher Sender „objektiv und neutral“ zu informieren, dadurch gerecht. Vielleicht wächst ja sogar in dem ein oder anderen Schulkind der Wunsch, später selbst Landwirtschaft zu betreiben, wenn es sieht, was für eine hoch moderne Branche wir mittlerweile sind: neuste Technik mitten in der Natur – dann bekämen wir vielleicht sogar das Nachfolger-Problem in den Griff und müssten unsere Supermärkte nicht immer mehr mit Produkten aus dem Ausland bestücken.

Mit freundlichen Grüßen

Carina Konrad MdB

 

Update 18.09.2019: Hier geht es zur Antwort der Landessenderdirektorin.