Carina Konrad

Gesprächsrunde zum Azubi-Mangel

FDP-Abgeordnete laden Unternehmer ein
Schneider Mumbauer Brandenburg Hachmer Konrad

Die Bickenbacher Bundestagsabgeordnete Carina Konrad (FDP) lud am Donnerstagabend zusammen mit ihrem Kollegen Dr. Jens Brandenburg (FDP) aus dem Rhein-Necker-Raum Unternehmer im Rhein-Hunsrück-Kreis zur Diskussion nach Simmern ein. Ganz Deutschland beklagt den Azubi- und Fachkräftemangel. In ländlichen Gebieten ist die Lage umso prekärer, weil junge Menschen ohne Auto wegen schlechter Busverbindungen kaum mobil sind.

Neben den Abgeordneten beteiligten sich auch Kreishandwerksmeister Peter Mumbauer, IHK-Regionalgeschäftsführer Knut Schneider und Berufsschullehrer Thorsten Hachmer an der Diskussion. Einigkeit herrschte darüber, dass jungen Leuten nie zuvor so viele Türen offen standen wie heute. MdB Konrad fragte, wer denn morgen noch Häuser bauen solle, wenn alle studieren gingen: „Wir haben heutzutage schon in der Grundschule eine Tendenz zu Abitur und Studium, dabei brauchen wir Meister genauso dringend wie Master.“ Hachmer bestätigte, dass gerade Handwerksbetriebe große Schwierigkeiten hätten, Personal zu finden. Das spürt auch der Kunde: Nicht selten gäben die Betriebe „Abwehrangebote“ ab – und bekämen den Zuschlag dann trotzdem.

Mumbauer betonte, der Schlüssel zu mehr Nachwuchs im Handwerk sei mehr Wertschätzung für die Berufe. Schneider verwies auf die Versäumnisse der Schulen: Hohe Studienabbrecherzahlen zeigten, dass ein Studium letztlich doch nicht für alle der richtige Weg sei. Ausbildungsberufe müssten in den Schulen offensiver beworben werden. Hachmer ging sogar so weit zu sagen, eine fundierte Berufsausbildung sei „die bessere Beamtenversorgung von morgen“, weil Fachkräfte in allen praktischen Berufsfeldern fehlten, was für sichere und gut bezahlte Arbeitsplätze sorge.

Brandenburg, Sprecher für Studium, berufliche Bildung und lebenslanges Lernen der FDP-Bundestagsfraktion, plädierte dafür, einen Meister im Handwerk endlich als gleichwertig zu einem Bachelor zu betrachten. Er verwies auf die sogenannte „Exzellenzinitiative“ seiner Partei, die Aus- und Weiterbildung stärken solle, um dem Fachkräftemangel und demografischen Wandel zu begegnen und die Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands zu stärken. 

Trotz des großen Angebots sind kurz vor dem diesjährigen Ausbildungsbeginn deutschlandweit noch 91.000 Bewerber ohne Lehrstelle. Alle Anwesenden waren sich einig: Diese Leute werden gebraucht. Man müsse sie mit kleinen Schritten darin unterstützen, dort hinzukommen, wo sie hin möchten und gebraucht werden, und zum Beispiel ihre Sprachkenntnisse oder Softskills entsprechend fördern. Die Betriebe jedenfalls, so Konrad, hätten längst verstanden, dass sie für sich werben müssten.