Carina Konrad

100 Tage MdB

Carina Konrad blickt zurück – aber vor allem nach vorne
Foto ©Friederike Krick

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Rund 100 Tage ist es her, dass die Landwirtin Carina Konrad aus dem Wahlkreis Mosel/Rhein-Hunsrück in den Deutschen Bundestag eingezogen ist. 100 Tage, in denen die junge FDP-Abgeordnete regelmäßig zwischen ihrem Bauernhof im heimischen Hunsrück und dem Reichstag in Berlin hin und her gependelt ist.

Frau Konrad, hatten Sie vor der Bundestagswahl ernsthaft damit gerechnet, ein Mandat zu bekommen?

CK: Ganz ehrlich? Ich war mir relativ sicher, dass meiner Partei der Wiedereinzug in den Bundestag gelingen würde, aber dass ich mit Platz vier auf der rheinland-pfälzischen Landesliste ein Mandat bekomme – nein, das habe ich kaum zu hoffen gewagt. Ich dachte mir, die Wahl wird spannend, und morgen bin ich dann wieder Bäuerin.

Aber dann kam es anders …

CK: Richtig, nach einer schlaflosen Nacht erhielt ich am frühen Morgen die Nachricht, ich hätte es geschafft, das Ticket nach Berlin sei gebucht. Seitdem hat sich mein Leben total verändert. Der Kalender ist immer voll; wenn ich nicht in Berlin bin, nehme ich viele Termine in meinem Wahlkreis wahr. Mir ist es wichtig, mit den Menschen zu Hause in Kontakt zu bleiben. Nur so kann ich ihre Belange und Interessen auch im Bundestag vertreten.

Was ist das Herzstück Ihrer politischen Arbeit?

CK: Meine Kernthemen sind ganz klar Landwirtschaft und Familie. Das spiegelt sich auch in den Ausschüssen wider: Im Ausschuss für Ernährung und Landwirtschaft bin ich zur Obfrau meiner Fraktion ernannt worden; außerdem bin ich stellvertretendes Mitglied im Ausschuss für Familie, Senioren, Frauen und Jugend. Seit meinem Studium der Agrarwirtschaft liegt mir die Digitalisierung der Landwirtschaft sehr am Herzen: Hier gibt es so viele ungenutzte Möglichkeiten, die den Bauern die Arbeit erleichtern könnten – wenn die Politik endlich die nötigen Voraussetzungen schaffen würde. Und dass Familie mir als berufstätiger Mutter eine Herzensangelegenheit ist, versteht sich von selbst. In Sachen Vereinbarkeit hinkt Deutschland im europäischen Vergleich noch ziemlich hinterher; hier müssen wir besser werden.

Wie stehen Sie zum Abbruch der Jamaika-Sondierungen?

CK: Ich stehe 100-prozentig hinter dieser Entscheidung. Die FDP hat vier schwere Jahre in der außerparlamentarischen Opposition hinter sich. Wir mussten uns von Grund auf erneuern und haben uns das Vertrauen unserer Wähler hart erkämpft. Wenn wir jetzt, trotz aller inhaltlichen Diskrepanzen, auf Bundesebene in ein Jamaika-Bündnis eingetreten wären, hätten wir dieses Vertrauen verspielt und auch selbst nicht mehr in den Spiegel schauen können.

Wie kann man sich Ihren Alltag als Abgeordnete jetzt vorstellen?

CK: Zu Beginn gab es viel zu organisieren: Büros in Berlin und im Wahlkreis mussten angemietet, Mitarbeiter eingestellt und eingearbeitet werden. Ich selbst musste mich in Berlin und im parlamentarischen Betrieb erst einmal orientieren. Hier waren mir die erfahreneren Kollegen meiner Fraktion eine große Hilfe. Inzwischen läuft alles und ich kann mich auf meine eigentlichen Aufgaben konzentrieren: die Arbeit in den Ausschüssen und Arbeitsgruppen, meine Reden vor dem Parlament, Termine mit Funktionären aus Landwirtschaft und Weinbau in Berlin und im Wahlkreis, Messebesuche und vieles mehr. Ohne meinen Kalender wäre ich verloren! (lacht)

Wie vereinbaren Sie diesen vollen Kalender mit Ihren familiären Verpflichtungen?

CK: Mein Mann und meine Eltern unterstützen mich in jeder Hinsicht. Von Anfang an haben sie mich in meinem Vorhaben bestärkt. „So eine Chance bekommt man nur einmal im Leben“, meinte mein Mann, als ich selbst noch Zweifel hatte. Und das stimmt! Bürokratie und Vorschriften machen uns als Unternehmern das Leben oft schwerer als nötig, aber darüber zu jammern und mich untätig in mein Schicksal zu fügen, war nie mein Ding. Ich wollte immer lieber die Probleme bei der Wurzel anpacken und für die Interessen meines Berufsstandes kämpfen. Keiner weiß im Moment, wie lange diese Legislaturperiode dauern wird, also nutze ich die Zeit, die ich jetzt habe, so gut wie ich kann. Meine Kinder sind zum Glück schon so groß, dass sie das ein Stück weit verstehen können. Und zu allen wichtigen Anlässen, ihren Geburtstagen, der Kommunion meines Sohnes im April oder der Einschulung meiner Jüngsten im August bin ich selbstverständlich zur Stelle!