Carina Konrad

Über den Tellerrand schauen

MdB Konrad informiert sich in Luxemburg über Mehrgefahrenversicherungen
Carina Konrad mit Thomas Gerke

Carina Konrad (FDP), Bundestagsabgeordnete aus Rheinland-Pfalz und selbst Landwirtin, hält nicht viel vom Hilfsprogramm der Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) für Bauern, die von der Dürre besonders stark betroffen sind. Die stellvertretende Vorsitzende des Agrarausschusses plädiert „für mehr Weitsicht anstelle von kurzfristigen Hilfen nach dem Pflasterprinzip“. Letzte Woche hat sie sich in Luxemburg darüber informiert, wie man dort mit den Dürreschäden umgeht.

„Über den Tellerrand zu schauen, sich von Nachbarländern inspirieren zu lassen, erweitert den eigenen Horizont“, findet Konrad. „In der Landwirtschaftspolitik kann Deutschland von Luxemburg, aber auch von den Niederlanden und den skandinavischen Ländern viel lernen.“ Die Freien Demokraten fordern seit geraumer Zeit ein besseres Risikomanagement in der Land- und Forstwirtschaft, weil Extremwetterlagen künftig häufiger zu befürchten seien. In Luxemburg ist ein Großteil der Bauern gegen Hagel, Sturm, Auswinterung, Überschwemmung, Starkregen und Trockenheit versichert. Der Staat bezuschusst die Versicherungen. Die Dürreversicherung in Luxemburg ist mit 4 % besteuert (in Deutschland mit 19 %). Auch Grünland kann hier gegen Ernteausfälle versichert werden.

„Das luxemburgische Modell kann zwar nicht 1:1 auf Deutschland übertragen werden, aber ein ähnliches Modell ist durchaus denkbar“, erklärt Konrad. Im Gespräch mit Vertretern der Vereinigten Hagelversicherung erfuhr die diplomierte Agraringenieurin, dass die Landwirte das Angebot zunächst zögerlich angenommen hätten, inzwischen aber in weiten Teilen davon überzeugt seien. Thomas Gehrke, Vorstandsmitglied der Vereinigten Hagel, zeigte sich erfreut, dass sich Frau Konrad vor Ort ein Bild von den Schäden machte und den Dialog mit Praktikern und Experten der Versicherungswirtschaft suchte: „Gerne sind wir bereit, in die sicherlich startenden politischen Diskussionen um Risikoinstrumente gegen Dürreschäden unsere Fachexpertise einzubringen. Landwirte sind Unternehmer und wollen vorausschauende Lösungen und keine Almosen vom Staat.“

Ein luxemburgischer Landwirt berichtete der deutschen Berufskollegin, von den vier Jahren, in denen er sich gegen Mehrgefahren versichert habe, seien drei Schadenjahre gewesen. Nach Begutachtung der Schäden werde die Schadenssumme binnen 14 Tagen auf sein Konto überwiesen. „Davon können deutsche Landwirte im Moment nur träumen“, weiß Konrad. Sie setzt sich außerdem für die Einführung einer steuerfreien Risikoausgleichsrücklage ein, mit der schlechte Jahre steuerlich durch gute ausgeglichen werden können.

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